Gedankentext · Patentlösungen für alle? Schablone oder Plan?

Pressen wir unsere Pferde in Schablonen, wenn wir ihnen unseren/den von uns bestimmten Lernrhythmus und die Lerngeschwindigkeit auferlegen? Oder sind sie dankbarer für Pläne? Was ist der Unterschied?

Eine Schablone ist allgemein als Vorlage oder vorgefertigte Form bekannt, die auf etwas angewendet/übertragen wird, was in die Form dieser Schablone gebracht werden soll.

Schablonen sind folglich vorgefertigt und formstabil.

Ein Plan ist eine festgehaltene Vorstellung, in einer bestimmten Art und Weise etwas, zu einem bestimmten oder bis zu einem gewissen Zeitpunkt, zu tun. 

Aber was ist jetzt der Unterschied? Wie kommen wir dann auf die Frage “Schablone oder Plan”?

Das Thema Pferd ist ein komplexes Thema – mal kann der Rat für ein Pferd so ausfallen, mal ist er für ein anderes genau das Gegenteil. (Im Gedankentext zur Individualität findest Du noch ein paar Gedanken dazu 🙂 )

Ist es also sinnvoller eine Schablone anzuwenden – vielleicht weil man es „schon immer so gemacht hat“ oder es jemand so sagt? Oder lieber seinen Plan zu überdenken und umzustellen, um auf das Pferd oder auch sich selbst einzugehen? Wie werden wir der Situation gerecht?

Wir wollen Dir an dieser Stelle eine Challenge mit an die Hand geben: Finde heraus, welcher Typ Du bist!

Beobachte Dich selbst einmal zwei Wochen lang und versuche herauszufinden, was für ein Entscheidungstyp Du bist. Ganz unabhängig von Stall und Pferd! Womit fühlst Du Dich wohler? Was gibt Dir Sicherheit? Vielleicht kennst Du Dich ja auch schon so gut, dass Du Dich abhängig von Stall und Pferd beobachten kannst? 

Schablonen- oder Plan-Typ?

Unabhängig von unseren ganz individuellen Vorlieben müssen wir schauen, was uns liegt und was unserem Pferd? Ist es das gleiche? (Hier kommen im Februar ein paar Gedanken zum Thema “Ausgefuchstes Pferd”!)

Leider und zum Glück eher selten! Als eher spontane Wesen schätzen Pferde Schablonen in der Regel nicht so sehr. 😉 Es ist nur die Frage, ob sie es uns leiser oder lauter – beziehungsweise ab wann lauter – mitteilen.

Einem Pferd Kommandos beizubringen, hat streng genommen immer etwas mit Training und Konditionierung zu tun. Hier gibt es selbstverständlich unterschiedliche Wege und Arten. Egal welchen ihr geht, das Pferd soll auf eine gewisse Anfrage etwas tun/antworten/machen. Auf eine Bewegung zu uns kommen, auf eine Schenkelhilfe eine Traversale laufen. 

Die Kunst liegt hier darin, das Pferd nicht zu „überfahren“, sondern individuell angepasstes Lernen zu nutzen. Das heißt nicht, dass ich alles “durchgehen” lassen muss, aber ich kann mich dazu entscheiden, Rücksicht zu nehmen! Wenn ich merke, dass Pferd kann heute den korrekten Angalopp nicht umsetzen, muss ich überlegen, woran das vielleicht liegt und nicht schabloniert nachhelfen – Hauptsache der Galopp ist das Ergebnis. Vielleicht sitze ich auch falsch? Was hat es für einen Mehrwert eine schwierigere Lektion heute durchzusetzen? Reicht nicht auch morgen, vielleicht ist sie dann nicht mehr schwieriger? Wir müssen uns öfter daran erinnern, dass der Weg das Ziel ist.

Uns wurde die Erfahrung zuteil, dass Pferde eher Fans von Plänen sind. Ich kann mir überlegen, was in welcher Reihenfolge sinnvoll ist – wie zum Beispiel eine Skala der Ausbildung -, ich kann die Grenzen vielleicht aber auch auflockern, wenn nötig. Fällt meinem Pferd heute a) leichter als b), kann ich mich frei entscheiden, ob ich es durch b) quetsche, oder a) nehme und wir uns beide über eine gelungene Übung freuen können. Manchmal muss man sich eine Zeit lang mit a) begnügen und vielleicht c) oder d) machen, vielleicht einen Schritt zurück gehen oder etwas nochmal vom Boden aus üben. Unterm Strich haben uns die Pferde schon den ein oder anderen „Wow-Effekt“ beschert, wenn man nicht auf dem eigenen Willen beharrt. So hat ein Pferd eine zweimonatige Pause gebraucht, um „wie aus dem Nichts“ auf Ticken sein Vorderbein nicht nur im Stand, sondern auch in der Bewegung anzuheben (Polka/Spanischer Schritt). Ein anderes konnte vom Boden aus Seitengänge umsetzen, es gelang jedoch unter dem Reiter nicht so richtig. Also übten wir weiter vom Boden aus und stellten von Schultervor und -herein auf Kontraschulterherein um und zwei Wochen später bot das Pferd die Seitengänge unter dem Sattel an. Das, was wir erreichen wollten, haben wir also ohne Stress und ärgern bekommen, zu dem Zeitpunkt, an dem es das Pferd umsetzen konnte und sich körperlich und mental sortiert hatte.

Dass Zeit geben manchmal schneller zum Erfolg führt, haben die alten Meister schon festgehalten. Also warum sollten wir uns davon nicht ein Scheibchen abschneiden, ausprobieren und dazulernen. 

Schablone oder Pläne!?

Plan! Denn Pläne lassen sich verfolgen, abändern, über den Haufen schmeißen, neu entwickeln – von jetzt auf gleich -, ganz flexibel, ganz spontan. Vielleicht lernen wir, unseren Vierbeinern ein kleines bisschen in ihrer Natur entgegenzukommen, uns einzulassen und profitieren sogar im „echten Leben“ von mehr Flexibilität und Spontanität!  🙂

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