Gedankentext · Individualität

Wir sind immer gleich, also warum klappte gestern etwas und heute nicht mehr!?

Pferde und Menschen – insbesondere in ihrer individuellen Kombination – haben nie die gleichen Voraussetzungen. Nicht mal vom einen auf den anderen Tag. 

Wieso? Wir sind doch immer die gleichen!

Sicher? Wenn ich schlecht geschlafen habe, bin ich dann genauso geduldig wie am Tag davor? Wenn ich Ärger mit einer anderen Person hatte, bin ich dann vielleicht in Gedanken noch in diesem Gespräch, wenn ich gerade aber eigentlich etwas mit dem Pferd mache? Und kann ich es dem Pferd verdenken, wenn ich in Gedanken bei besagtem Gespräch bin, ich vielleicht immer noch etwas Ärger empfinde, dass mein Pferd auch nicht richtig bei der Sache ist? 

Vielleicht war aber auch gestern eine Jagd im Wald, der an die Wiese oder den Stall grenzt. Die Pferde haben die Unruhe im Wald mitbekommen und sind vielleicht etwas abgelenkt oder von der Rolle. Garnicht so ruhig und entspannt wie sonst. Vielleicht regnet es aber auch seit Tagen und das ein oder andere Pferd hat einfach schlechte Laune, weil heute auch noch ein arger Wind dazu gekommen ist und es einfach schöner ist, wenn die Sonne auf den Pelz scheint und Pferd sich viel schöner entspannen kann.

An „nicht so guten Tagen“ ist es vielleicht keine so gute Idee, schwierige oder neue Dinge zu üben, etwas zu machen, was nicht leicht fällt. Wir sind ja eh schon etwas „nicht so gut drauf“, nehmen die Dinge nicht so leicht und spielerisch, sondern eher ernst und sind schneller genervt. Also vielleicht lassen wir an diesem Tag lieber fünf gerade sein und lassen uns von unseren Pferden aufmuntern, putzen „nur“ oder gehen „nur“ etwas spazieren. Streicheln das Pferd vielleicht „nur“ oder gehen es auf der Wiese besuchen. Oder vielleicht beobachten wir es auch „nur“ in seiner Herde, um mehr über seinen Charakter, sein Verhalten, seine Stellung und sein Leben in den ca. 22h ohne uns herauszufinden.

Was während unserer Abwesenheit im Stall passiert können wir nur bedingt kontrollieren. Aber wir können in uns selbst hinein horchen und/oder zu Gunsten des Pferdes entscheiden.

Wenn wir den Stall betreten – vielleicht alles andere vor der Türe lassen und wieder mitnehmen, wenn wir den Stall verlassen – wie Schuhe, die man vor der Türe auszieht – sind wir vielleicht etwas mehr in der Lage, uns auf unser Pferd zu konzentrieren. Denn in der Zeit, die wir am Stall verbringen, können wir eh nicht wirklich etwas „am Rest“ ändern – außer uns selbst zur Ruhe zu bringen, die kleine Auszeit zu genießen und mit einem entspannteren, klareren Blick „alles andere“ betrachten und angehen. 

An dieser Stelle möchten wir Dir eine kleine Challenge anbieten: Beobachte Dein Pferd immer mal wieder und versuche herauszufinden, was es für ein Typ ist! Ist es eher beobachtend, zurückhaltend oder geht direkt in Situationen rein? Teilt es sein Futter oder will es lieber alleine fressen? Trau Dich ruhig hier etwas vermenschlichende Worte zu benutzen, um den Charakter zu beschreiben! Mal schauen, wie viel Du herausfindest und erkennen kannst 🙂

Zurück zum Thema 🙂 : Der ein oder andere Schüler ist manchmal etwas irritiert, wenn wir zu Beginn der Stunde fragen „Was machen wir heute?“ Damit ist nicht gemeint, dass dieser sich die Übungen selbst ausdenkt, viel mehr eine kurze Unterbrechung um zu reflektieren – was hat seit dem letzten Mal geklappt, was nicht so gut? Gibt es etwas, was als Frage oder Unklarheit/-sicherheit aufgetreten ist, was besprochen werden muss? Unterricht lässt sich viel besser umsetzten, wenn es ein kurzes Resümee gibt, was das Paar gerade bewegt. Oder auch „nur“ den Reiter 😉

Heute kann sich etwas so verhalten, morgen so. Aus der individuellen Geschichte oder Charakteren von Pferd oder Reiter können sich Dinge ergeben, weshalb sich für den einen besser dies oder jenes eignet und für den anderen eben nicht. Aus Körperbau oder Größenverhältnissen übrigens auch 😉

Für individuelle Charaktere gibt es kein generelles Patentrezept – außer hinschauen, zuhören und reflektieren vielleicht. Denn dabei erkennen wir die großen, aber auch die kleinen, aber feinen Unterschiede – eben dass, was uns und unsere Pferde individuell macht. 

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